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Lieblich klangen die Töne durch die dämmernde Nacht …

Es ist das Geheimnis, dass dieses Märchen durchzieht, ganz im Verborgenen, in der Abgeschiedenheit eines Gartens findet eine Geschichte von Begegnungen, Erkennen, Verstehen und hilfreichen Miteinander statt. Rückzug in sich selbst, in Alleinsein und Stille, wie es der Mann, von dem das Märchen erzählt, tut, ist eine wirksamer Weg um Wissen und Harmonie zu erlangen. Er tut es aber nicht in der Abgeschiedenheit einer Studierstube, zwischen Regalen, Büchern und Schreibutensilien, sondern in der blühenden Pracht eines Gartens.
Es ist mit Sicherheit eine kluge Entscheidung, nach dem verborgenen Wissen im Grün eines Gartens zu suchen, schon Goethe wusste darum und sorgte dafür, dass seinem Protagonisten Faust die trockene Luft der Studierstube nicht bekam. Er wurde von Mephistopheles mit "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum" in das grünende, blühende Leben hinausgeschickt.
Unser chinesischer Gelehrter kennt und liebt jedes einzelne Lebewesen in seiner Gartenwelt, seine Blumen, Bäume, Sträucher und Gräser, so sehr, dass sie lebendiger Teil seines Seins werden, ihm als junge und liebreizende Frauen entgegen treten. Die grüne Weide geht mutig voran, sie bahnt das Kennenlernen. Liebreiz, überirdische Schönheit und zurückhaltende Klugheit von Pflaume und Pfirsich bezaubernd den Gelehrten, die feurige Granatapfel wagt den Konflikt und zwingt so zum Handeln.
Ein einfühlsamer Dialog zwischen dem Herrn des Gartens und den grünen Schönen, welche in der chinesischen Symbolik Fruchtbarkeit, Liebe, Erneuerung, himmlische Freuden verkörpern, entsteht, ein Lebensbündnis zu gegenseitiger Befruchtung und Behütung erwächst daraus. Seelisch ist es ein Zeichen der Reife, wenn sich eine grüne Kraft in einem Menschen differenziert, lebendig wird, mit ihm in Verbindung tritt, ihn zu tiefen Wissen, innerer Sicherheit und liebevoller Hinwendung zum Lebenden führt.

Die Pfirsichblüten treiben auf dem Strom davon in weite Ferne.
Andere Himmel gibts und Erden als die der Welt der Sterblichen.
(Li Bo/ übersetz. Stephan Schuhmacher).

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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