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Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün. Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen. Hildegard von Bingen

Eine grüne Kraft, die von weit her, aus der Frühzeit unserer Geschichte kommend, unsere Welt, unser Leben durchzieht - eine Vorstellung, die ebenso poetisch wie einleuchtend ist, besitzen wir doch ein tiefes Wissen darum, dass wir aus grünem Grund, einer grünen Wurzel erwachsen sind.

Ebenso natürlich und sinnhaft ist das Erscheinen des grünen Vogels in dem italienischen Märchen, Symbol der Freiheit, des Geistigen, Himmlischen, der auftaucht, sobald der Mensch ihm eine Pforte öffnet. Ein Vater sperrt seine Tochter, hier die geliebte Maruzza, ein, aus Sorge um ihr Leben und Wohlergehen, ein bekanntes Märchenmotiv, er schützt sie, schneidet ihr aber auch das Leben ab.
Alles Spitze, Scharfe wird verbannt, symbolisch damit vielleicht alles Verletzende, Enttäuschende, Reibung erzeugende. Ein im Wachsen begriffener Mensch braucht aber genau auch diese scharfen, schneidenden Erfahrungen und so sucht Maruzza sich sehr schnell ein solches Instrument, ein spitzes Knöchelchen, mit dem sie den Weg frei macht für den Eintritt der wirklichen, ungefilterten Welt.
Diese erscheint dann auch in Gestalt eines grünen Vogels, einer ursprünglichen geistigen Kraft. Ein Dialog entsteht, der offensichtlich für beide, den Vogel und das Mädchen, neue Welten öffnet, Vertrauen, Liebe entwickeln sich, kraftvoll, rein, schön, so lange alles im Geistig - Seelischen bleibt, abgeschirmt von der irdischen Welt. Diese bricht in Gestalt des Königs herein, der seine Tochter zurückholt, und, wie oft beim Einbruch des Irdischen, beginnen nun die Probleme.
In sehr verschiedene Richtungen gehen jetzt die Wege der Beiden. Maruzza schöpft eine geradezu übermenschliche Kraft aus der Begegnung mit dem grünen Geist, ganz anders der junge Prinz. Bei ihm mischen sich zunehmend andere Töne in das tiefe Grün, gelbe Schattierungen von Gier, Überheblichkeit, Undankbarkeit. Einen langen Weg des Erlebens und Erfahrens muss er durchleben und durchleiden, bis er zurück findet zu dem reinen, tiefen Grün eines gegründeten seelisch - geistigen Daseins und Miteinanderseins.
Da sah sie alle die schönen Blumen und den blauen Himmel mit der Sonne und durch das Loch kam ein wunderschöner, leuchtend grüner Vogel hereingeflogen ...

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Macht und Ohnmacht
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 42

Der Jahreskongress der Europäischen Märchengesellschaft e.V. fand 2016 in Würzburg in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg, Akademie des Bistums, zu dem Thema "Macht und Ohnmacht - Erfahrungen im Märchen und im Leben" statt. In diesem Band sind die Vorträge des Kongresses versammelt.
Was ist Macht, was macht Macht mit uns? Wie sieht es mit der Ohnmacht aus? Ist sie das Gegenteil von Macht, was macht sie mit uns und wie kommen wir aus Ohnmachtserfahrungen wieder heraus? Fragen, die unter anderem in den Referaten erörtert werden. Macht- und Ohnmachtserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben, in wichtigen Momenten ebenso wie im Alltäglichen, sowohl auf persönlicher und individueller als auch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Erfahrungen von Ohnmacht und Macht hat jeder, und zwar in beiden Bereichen. Weil diese so selbstverständlich zu unserem Leben gehören, spiegeln sie sich auch in den Volksmärchen wider. Gerade mit ihren Bildern und Symbolen greifen Märchen die grundsätzlichen menschlichen Erfahrungen auf, so können sie angeschaut und gedeutet werden. Märchen können helfen, eigene Erfahrungen einzuordnen.
Ein Achtergewicht bildet der Aufsatz über Max Lüthi, der vor 25 Jahren verstorben ist.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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