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Aguiry war der fröhlichste Knabe in seinem Stamm ...

Die Pflanze, und um genau zu sein, das Grün der Pflanze, ist der Ursprung des menschlichen Lebens, Grün ist der Boden, der Urgrund, aus dem wir Menschen heraus entstehen, wachsen, gedeihen.
Chlorophyll heißt das Zaubermittel, eine grüne Farbe, mit der die Pflanze aus Licht, Luft und Wasser Nahrhaftes, Schmackhaftes, Heilendes zaubert, den Wein, die Beere, die Flechte und das Kraut.
Der Mensch weiß um dieses tiefe Verbundenheit, das existenzielle Angewiesensein auf die Pflanze und so spielen diese schon seit uralter Zeit eine bedeutsame Rolle in seinen Erzählungen, den Mythen, Märchen und Berichten. Bäume wie der Lorbeer oder die Tanne, Sträucher wie das Rosmarin oder der Wacholder dienten Göttern und Menschen als Wohn-  und Wandlungsstätte, andere, die Birne, der Apfel, der Haselnussstrauß nähren und schützen, Rapunzel, Petersilie und Fenchel erregen Lust und Leidenschaft und setzen Entwicklungsprozesse in Gang. Und die grünen Heilkräfte von Brennnessel, Salbei, Basilikum dienen auch in den Märchen und Mythen zur Behandlung körperlicher und seelischer Wunden.
Die in dem brasilianischen Märchen beschriebene Schöpfung einer wertvollen Pflanzen aus dem Körper eines Menschen ist tief in der frühen Zeit der Menschheit verankerte, in der Mensch noch stark auf das, was die Natur ihm zur Verfügung stellte, angewiesen war und erst langsam lernte, auf die Natur einzuwirken, ihr all das abzuringen, was er brauchte. Die Existenz der grünen Pflanzen und die Existenz der Menschen waren in den Vorstellungen und Erzählungen dieser Menschen so eng miteinander verbunden, dass Eines aus dem Anderen hervor geht. Das Opfer eines Menschen bringt eine lebenswichtige Pflanze hervor und aus einer Pflanze kann ein besonderer Mensch entstehen.  
„Bald schlug der trockene Baum aus, als hätten ihm die Tränen neue Kraft gegeben. Und im nächsten Frühling trug der Baum Früchte von einer den Indianern unbekannten Art: Sie waren rot und verbargen einen dunklen Kern, der an Aguirys Augen erinnerte. Nun verriet ihnen Tupá, dass die Frucht Guaraná heiße und daß man sie essen könne."

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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