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… die Königin gebar zwei wunderliebliche Kinder,

Zwillinge, Menschen, die zusammen entstanden sind, zusammen die Welt betreten haben, soviel miteinander teilen, Gene, Leidenschaften, das Muttermal auf der Stirn, sind von alters her geheimnisumwitterte und viel beachtete Wesen. Themen wie Doppelung, Spiegelung, Schatten, Gegensatz sind damit eng verbunden und je nach kulturellem Hintergrund werden sie gefürchtet und geächtete oder verehrt und geheiligt. Dies drückt sich in den zahlreichen, sehr unterschiedlich ausgerichteten Zwillingspaaren aus, die Mythologie und Märchen aller Kulturen in allen Zeiten bevölkern. Sind Gilgamesch und Enkidu (Mesopotamien), Horus und Seth (Ägypten), Prometheus und Epimetheus (Griechenland) gegensätzlich ausgelegte, hell und dunkel verkörpernde Teile einer Wesenheiten, heilige und hoch geachtete Wirkmächte ihrer Kulturen, so arbeiten die Ahayuta sowie Po-okan-hoya und Palo-ngao-hoya, die Zwillingsgötter der nordamerikanischen Zunin und Hopi eher Hand in Hand, als zwei Teile oder Kräfte eines Prinzips.
In dem sächsischen Märchen Die beiden Goldkinder aus der Sammlung Josef Haltrich werden, wie in zahlreichen Märchen des Typus ATU 707 Die drei goldenen Kinder, welche über die ganze Welt verteilt erzählt werden, die besonderen Fähigkeiten und Kräfte der Zwillingskinder, vor Allem aber ihre Verbindung zum Göttlichen umfassend dargestellt. Die beiden „wunderliebliche Kinder, ein Knabe und ein Mädchen mit goldenen Haaren“ gehen scheinbar mühelos durch alle Dinge hindurch, erstehen aus Wasser, Feuer und Erde wieder auf, überstehen Zerstückelung und Verbrennung, zeigen sich in immer neuen Formen. In jeder neuen Form aber ist ihr gesamtes magisches Potential erhalten und sichtbar. Sie bewegen sogar die Naturmächte, Sonne, Tag, Nacht, und letztlich nimmt sich das Göttliche selbst ihrer an, in dem sächsischen Märchen, sicher eine Reminiszenz an Zeit und kulturelle Vorstellungen, vertreten durch unseren Herrgott, der letztlich alles wieder in Ordnung bringt - „Unser Herrgott war entzückt und gerührt bei dem Anblick der Kleinen, ... und sprach: "Ich will mich ihrer annehmen." Die Verbindung der Zwillinge zum Göttlichen, ihre transzendenten Fähigkeiten, zeigt sich auch im Gold, das nahezu immer Merkmal dieser Kinder ist. Gold als Symbol für die Sonne, Macht, Klarheit und Kraft sind den Zwillingskindern bereits in die Wiege gelegt. Die Märchen sprechen von goldenen Sternen, Kreuzen, Sonne oder Mond auf Stirn, Brust, Rücken, goldenen Haaren oder einem ganz und gar goldenen Kind, etwas Besonderem, Kostbaren, Unsterblichen, etwas, was jeder Mensch wie einen inneren Zwilling in sich trägt. „Der Knabe wurde ein stattlicher Jüngling und Nachfolger im Reiche seines Vaters, das Mädchen eine wunderschöne Prinzessin. Ach, die war so schön, so schön, dass es nicht zu beschreiben ist …“

Ricarda Lukas

 


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Macht und Ohnmacht
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 42

Der Jahreskongress der Europäischen Märchengesellschaft e.V. fand 2016 in Würzburg in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg, Akademie des Bistums, zu dem Thema "Macht und Ohnmacht - Erfahrungen im Märchen und im Leben" statt. In diesem Band sind die Vorträge des Kongresses versammelt.
Was ist Macht, was macht Macht mit uns? Wie sieht es mit der Ohnmacht aus? Ist sie das Gegenteil von Macht, was macht sie mit uns und wie kommen wir aus Ohnmachtserfahrungen wieder heraus? Fragen, die unter anderem in den Referaten erörtert werden. Macht- und Ohnmachtserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben, in wichtigen Momenten ebenso wie im Alltäglichen, sowohl auf persönlicher und individueller als auch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Erfahrungen von Ohnmacht und Macht hat jeder, und zwar in beiden Bereichen. Weil diese so selbstverständlich zu unserem Leben gehören, spiegeln sie sich auch in den Volksmärchen wider. Gerade mit ihren Bildern und Symbolen greifen Märchen die grundsätzlichen menschlichen Erfahrungen auf, so können sie angeschaut und gedeutet werden. Märchen können helfen, eigene Erfahrungen einzuordnen.
Ein Achtergewicht bildet der Aufsatz über Max Lüthi, der vor 25 Jahren verstorben ist.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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