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Denn dort grünt und blüht alles das ganze Jahr hindurch; ein ewiger Frühling erhält die Luft lind und den Himmel blau ...

Dort, das ist Horaisan, die Insel der Glückseligen, das japanische Paradies, nach dem die Menschen in Japan, wie überall auf der Welt, suchen.
Natürlich ist es sowohl genauso schwer zu finden wie zu erreichen, sehnsüchtig schauen die Menschen nach dem herrlichen Baum auf dem hohen Paradiesberg Fusan, dem einzigen in der Menschenwelt sichtbaren Hinweis auf die Insel, ist er aber aufgetaucht und scheint den Weg zu weisen, ist er bereits wieder verschwunden und mit ihm alle Hoffnung auf ein Entkommen aus der beschwerlichen irdischen Welt - „denn das Reich Horaisan ist noch weit, weit von Japan entfernt, viel weiter als Japan von China entfernt ist, und nur übernatürliche Mächte vermögen einen Menschen dorthin zu führen.“
Manchmal aber, selten, findet doch ein menschliches Wesen den Weg zu der Insel. Absichtsvoll, wie der Arzt Jofuku, dessen vorgetäuschte Suche nach dem Kraut der Unsterblichkeit an den sumerischen Helden Gilgamesch erinnert, der die Todeswasser überwindet, das Kraut der Unsterblichkeit erhält, es auf der Rückreise aber wieder verliert. Anders als Jofuku kehrt Gilgamesch in die Menschenwelt zurück und wird, aus den Erfahrungen seiner Reise Weisheit schöpfend, seinem Volk ein guter und gerechter König.
Diese Rolle kommt in dem japanischen Märchen Wasobiowe zu, der friedvoll am Meer lebt und absichtslos in eine Abenteuer - und Nachtmeerfahrt hinein gezogen wird, die ihn in das paradiesische Land Horaisan führt. Er genießt das zauberhafte Leben dort in vollen Zügen - „Mit Tanz und Musik, im Gespräch mit weisen und geistreichen Männern, im Umgange mit schönen und liebenswürdigen Damen vergingen ihm seine Tage.“ Endlich aber treibt ihn die Sehnsucht doch zurück in die Menschenwelt und so wie Gilgamesch voller Weisheit und Wissen aus dem Land der Unsterblichen heimkehrt, so kehrt Wasobiowe voller Geschichten von den immergrünen Inseln der Glückseligkeit zurück. Andere Berichte sagen, er hätte darüber hinaus auch noch die Orange als Frucht des Paradieses im Gepäck gehabt und sie, ebenso wie seine Geschichten, den Menschen geschenkt, ihnen damit die Süße und Schönheit erlebbar gemacht, die zu jeder Zeit inmitten unseres Lebens aufkeimen kann und deren Farbe das Grün als Farbe der Hoffnung ist.

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

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Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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