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"Duftende Blumen entsprossen den mitgebrachten Samen,

ungezählte Kräuter der grünenden Erde. Ein klarer Himmel umfing den neuen Tag." Das Grün, das der Kräuter und der Erde, tritt in dem indischen Märchen erst ganz am Ende hervor. Zuvor wird, in der Sprache des fernen Indien, vom Untergang einer alten und der Entstehung einer neuen, grünenden Welt, erzählt. "Von Manu sind alle Geschöpfe neu zu gestalten, jedes nach seiner Art, wie von mir bestimmt." Dies ist das Thema des März, das endgültige Vergehen des alten und der Beginn des neuen Jahres. Grünes sprießt, die ersten Blumen aus der Erde, die Knospen an Bäumen und Sträuchern, sie verkörpern die Hoffnung auf Leben und Wachstum für das neue Jahr. Über lange Zeiträume verbindet der Mensch dies mit der Vorstellung von Sterben eines Gottes und seiner Wiederkehr und Neugeburt, der Grünung, im frühen Jahr. Ebenso wie Kore, die Tochter der Demeter, lebt Adonis ein Teil des Jahres in der Unterwelt, um dann, im Frühling, auf die Erde zurückzukehren und der Vegetation neues Wachstum zu ermöglichen. Tammuz, der Geliebte der mesopotamischen Ischtar, ein jugendlich - frühlingshafter Gott, steht ebenso für den grünen Neubeginn des Jahres wie die Maori Göttin Haumia, aus deren aus der Erde wachsenden Haaren nahrhafte Pflanzen entstehen. Die aztekische Xochiquetzal verbringt den Winter im Garten des Westens, dem Totenreich, um im Frühling die Welt in Blüten zu hüllen. Die Azteken sind es auch, die ihren Toten einen grünen Stein mit auf die Reise geben, Symbol für die Fähigkeit des Menschen zu stetiger Erneuerung. "Und so geschah es. Wiederum belebte sich die Welt und nahm farbige Gestalt an."

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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