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Schachtelhälmchen

Eines Tages, früh am Morgen, so erzählt man sich, ging ein kleines altes Weiblein, das fünf schwarz gefleckte Kühe besaß, hinaus aufs Feld. Und wie sie auf das weite Feld kommt, sieht sie einen Schachtelhalm stehen, einen Schachtelhalm mit fünf Trieben. Den gräbt sie aus, schön behutsam gräbt sie ihn Würzelchen für Würzelchen aus der Erde, verletzt. Nicht den Stängel noch die Triebe,trägt ihn in ihre Jurte und legt ihn aufs Kissen. Dann geht sie wieder hinaus, ihre Kühe zu melken. Und während das kleine alte Weiblein so saß und melkte, hörte sie auf einmal in der Jurte Glöckchen klingeln und Schellen. Sie sprang auf, stieß an den Melkeimer, der kippte um, die Milch lief aus, sie aber eilte, in die Jurte eilte sie - dort war alles wie zuvor: Auf dem Kissen lag der Schachtelhalm, ein Kräutlein wie jedes andere. Da machte sich das alte Weiblein wieder an die Arbeit. Und abermals drang der Klang von Glöckchen und Schellen an ihr Ohr. Wieder eilte sie, warf den Melkeimer um, verschüttete die Milch, und als sie in die Jurte gelaufen kam, saß da ein Mädchen auf dem Bett, ein Mädchen, so schön, dass man es nicht sagen und nicht beschreiben kann. Wie Edelsteine leuchten ihre Augen, die Brauen schimmerten wie schwarzes Zobelfell, ihre Zöpfe hingen wie Fuchsschwänze bis auf den Gürtel hinab. Aus dem Schachtelhalm war ein wunderschönes Mädchen geworden. Wie freut sich da das kleine alte Weiblein, denn sie fühlte sich schon lange sehr einsam. Wollte sie sich unterhaltenem musste sie mit ihren schwarz gefleckte Kühen sprechen oder mit der silbern bemoosten Zirbelkiefer hinter der Jurte. Aber was waren das schon für Gespräche! Einmal streifte der junge Jäger Bar-Chara durch die Taiga, ein schlohweißes Einhörnchen hatte seine Jagdleidenschaft geweckt, das wollte er schießen. Vom Morgen bis zum Sonnenuntergang jagte er dem Eichhörnchen nach und traf es doch nicht. Behände kletterte es von der Tanne auf die Birke und weiter über die Föhre auf die Lärche, bis es sich gegen Abend auf die silbern bemoosten Zirbelkiefer setzte, nicht weit von der Jurte des kleinen alten Weibleins. Bar-Chara spannte den Bogen, wieder verfehlte er sein Ziel, und der Pfeil flog geradewegs in das Rauchloch der Jurte. "Rasch, bringt mir den Pfeil heraus!",rief Bar-Chara. Aber niemand kam. Zornrot wurde da sein Gesicht, ärgerlich sprang er vom Pferd und stürmte in die Jurte hinein. Und da sah er das Schachtelhälmchen, und sie war schön wie ein Sommertag. Und Bar-Chara vergaß seinen Pfeil, vergaß das schlohweiße Eichhörnchen, ja, für einen Augenblick vergaß er sogar das Atmen. Wie angewurzelt blieb er am Eingang der Jurte stehen. Dann stürzte er hinaus, sprang aufs Pferd und jagte in sein Dorf zurück. "Vater!" Rief er, "Mutter! Das kleine alte Weiblein, das die fünf schwarz gefleckte Kühe besitzt, hat ein Mädchen bei sich, wie ich noch keines gesehen habe. Wenn sie spricht, fallen gewiss rote Perlen aus ihrem Mund und schwarze Zobel werden dort aus der Erde springen, wo sie ihren Fuß hinsetzt. Rasch, schickt die Brautwerber zu der Jurte hinter der silbern bemoosten Zirbelkiefer. Erbittet sie für mich zur Frau! Gebt, was für sie verlangt wird, denn ohne sie kann ich niemals glücklich sein." Die Eltern taten, wie Bar-Chara es verlangte. Der Vater ließ neun prächtige, gescheckte Hengste satteln, neun ehrwürdige Männer wurden als Brautwerber bestimmt. Unverzüglich machten sie sich auf den Weg, das schöne Mädchen als Braut einzuholen. Zu dem kleinen alten Weiblein kamen sie geritten, das die fünf schwarz gefleckte Kühe besaß, sie sahen das Mädchen und waren gefangen von seiner Schönheit. Wie es die Sitte genietet, hielten sie um Schachtelhälmchens Hand an. "Ich habe nichts dagegen" antwortete das kleine alte Weiblein. Danach fragten sie Schachtelhälmchen und auch sie hatte nichts dawider, denn der junge Jäger hatte ihr gut gefallen. " Als Brautgeld" sprach das kleine alte Weiblein, "werdet ihr mir so viele Pferde und Kühe hertreiben, dass es ihnen auf meinem Feld zu eng wird." So wurden dann in aller Eile Pferde und Kühe herbei getrieben, gar nicht zu zählen, wie viele.  Das kleine alte Weiblein öffnete unterdessen die hölzerne Truhe, holte das perlenbestickte Hochzeitsgewand hervor und begann, das Schachtelhälmchen gar prächtig zu schmücken. Dann ward ein falbes Ross vorgeführt, man zäumte es mit silbernen Zaumzeug, deckte es mit silberner Decke, sattelte es mit silbernen Sattel, an seiner Seite eine silberne Gerte hing. Bar-Chara nahm die Braut bei der Hand, führte sie aus der Jurte, setzte sie auf das falbe Ross und Ritt mit Ihr heimwärts. Und so ritten sie. Plötzlich gewahrte er am Weg eine eisgraue Füchsin. Da hielt es ihn nicht, er rief: "Ich muss dieser Füchsin nachjagen. Du aber reite getrost auf diesem Weg weiter. Bald wird er sich gabeln. Nach Osten zu hängt ein Zobelfell und nach Westen ein Bärenfell mit weißen Kragen. Dorthin darfst Du nicht einbiegen! Nimm den Weg, wo das Zobelfell hängt!" Sprach's und sprengte davon. Das Mädchen ritt weiter. Bald kam sie an die Weggabelung, doch hatte sie unterwegs vergessen, was Bar-Chara Ihr aufgetragen, so schlug sie den Weg ein, wo das Bärenfell hing, das Bärenfell mit dem weißen Kragen. Nach einer Weile kam sie an eine große eiserne Jurte. Aus der Jurte trat die Dschelbege. Ihr Kleid war aus Eisen. Ihr einziges Bein war krumm, ihr einziger Arm war krumm, auf ihrer Stirn ein trübes Auge saß, bis über die Brust hing die Zunge lang und schwarz. Sie packte Schachtelhälmchen, zog sie vom Pferd, riss ihr die Haut vom Antlitz und legte sie über ihr eigenes Gesicht. Die prächtigen Brautgewänder zerrte sie ihr vom Leib, schlüpfte selbst hinein, und das Mädchen warf sie über die eiserne Jurte. Dann setzte sich die Teufelstochter auf das falbe Ross und ritt gen Osten. Bar-Chara holte die Braut ein, als sie nicht mehr weit von der Jurte seines Vaters war. Er merkte nichts, nicht einmal eine böse Ahnung regte sich in ihm. Vor der großen weißen Hochzeitsjurte hatten sich schon alle Anverwandten eingefunden, die Braut zu begrüßen. Vom Pferdepfahl bis zur Jurte war der Weg mit grünem Gras bestreut. Neun schmucke Burschen standen bereit, die Braut zu empfangen, acht schöne Jungfrauen traten herbei, ihr den Gruß zu entbieten. Und sie sprachen untereinander: "Schön wie der Himmel ist Bar-Charas Braut. Schöne rote Perlen werden bei jedem Wort aus ihrem Mund zur Erde rollen!" Und sie hielten Schnüre bereit, um die Perlen aufzureihen. Und es dachten die Burschen:"Wo die Braut ihren Fuß hinsetzt, werden prächtige schwarze Zobel aus der Erde springen." Und sie hatten Pfeil und Bogen zur Hand, um die Zobel zu erlegen. Die Braut sprach, da krochen schwarze Kröten aus ihrem Mund, wo sie hintrat, liefen Ratten und Mäuse über den Weg. Da wunderten sich die Anverwandten, und die Eltern wiegten erschrocken den Kopf. Doch was sollte man dazu sagen? Hatte sich Bar-Chara doch gerade dieses Mädchen ausgewählt. So begann das Hochzeitsfest, man schmauste und trank und war guter Dinge. Drei Tage dauerte das Fest. Am Ende hatten sich alle an die seltsame Braut gewöhnt, und niemandem kam es in den Sinn, dass es die falsche Braut war. Nicht lange danach ging das kleine alte Weiblein abermals auf das weite Feld, die Kühe melken. Und wie sie hinsah, war doch an derselben Stelle ein neuer Schachtelhalm gewachsen, ein Schachtelhalm mit fünf Trieben, aber schmucker noch und zierlicher als zuvor. Den grub sie fein säuberlich mit allen Würzelchen aus, trug ihn in die Jurte und legte ihn aufs Kissen. Dann ging sie hinaus und fing an, die Kühe zu melken. Auf einmal hörte sie in der Jurte Glöckchen klingeln und Schellen, und wie sie hinein ging, saß auf dem Bett dasselbe Mädchen, bloß noch viel schöner als vorher. "So bist du wieder da, Schachtelhälmchen" rief da das kleine alte Weiblein," aber sag, wie kommst du hierher, und warum bist du zurückgekommen? " "Ach, Mutter, als Bar-Chara mich von hier fortführte, sprach er zu mir:"Ich setze im Wal der Füchsin nach, Du aber reite auf dem Weg, wo das Zobelfell hängt, meide den Weg, wo das Bärenfell hängt!" Doch ich vergaß es und ritt den falschen Weg, der brachte mich zu der eisernen Jurte. Heraus trat die Dschelbege. Sie riss mir die Haut vom Gesicht und tat sie auf ihr eigenes, den Brautputz zerrte sie mir vom Leib, zog ihn selber an, und mich warf sie über die eiserne Jurte. Dann stieg sie auf mein falbes Ross und ritt an meiner Stelle. Graue Hunde packten mit ihren Zähnen meinen Leib und schleppten mich auf das weite Feld bei deiner Jurte. Und so ward ich wieder ein Schachtelhalm. Aber sag, was soll ich jetzt tun? Und werde ich Bar-Chara noch einmal sehen? "Gräme dich nicht" tröstete das kleine alte Weiblein,"du wirst ihn schon wieder sehen. Bis dahin bleibst du bei mir und bist meine Tochter wie vorher." Und so blieb das Mädchen bei der alten Frau. Nun hatte aber das falbe Ross irgendwie erfahren, dass das Schachtelhälmchen wieder aufgelebt war. Und es wandte sich an Bar-Charas Vater und sprach mit menschlicher Stimme:"Dein Sohn ließ unterwegs das Mädchen allein. Sie ritt bis zum Wegkreuz und wandte sich dorthin, wo das Bärenfell hing mit dem weißen Kragen. So kam sie zu der eisernen Jurte. Heraus sprang die Dschelbege, riss ihr die Haut vom Gesicht, bedeckte damit ihr eigenes, zerrte ihr das Brautgewand vom Leib, putze und schmückte sich selber, die Braut aber warf sie über die eiserne Jurte. Und nun haust diese Tochter des achtbeinigen Teufels in deiner Jurte und nennt sich deine Schwiegertochter. Meine Herrin aber ist wieder zum Leben erstanden. Hol sie heim, führe sie in deine Jurte, gib sie deinem Sohn zur Frau, sonst wird großes Unglück geschehen - die Dschelbege zerstört euer Heim. Sie macht euch das Leben zur Hölle und bringt dich und die Deinen ins Grab." Dies hörte der Alte, sogleich eilte er in die Jurte. "Mein Sohn, weißt du, wer das Weib ist, das Du zu uns brachtest? "Nun, sie ist die Tochter des kleinen alten Weibleins, das die fünf Kühe besitzt." "Das falbe Ross sagt, du hättest seine Herrin allein gelassen. Von der Weggabelung, sagt es, sei sie zur eisernen Jurte gelangt. Die Dschelbege habe sie vom Pferd geworfen, ihr die Haut vom Gesicht gerissen, damit das eigene bedeckt und sich die schönen Brautgewänder angelegt. Durch Lug und Trug hat sie dich gewonnen. Geh hin zu dem kleinen alten Weiblein und bitte Schachtelhälmchen, sie möge zu uns kommen. Bring sie her. Die Dschelbege aber binde an den Schweif eines wilden Pferdes und jage es ins offene Feld. Ihre Knochen sollen in alle Winde verstreut werden, sonst wird sie uns alle verderben, Mensch und Vieh!" Die Dschelbege hatte alles mit angehört. Schon wurde sie schwarz vom Kopf bis zum Fuß. Zum Ausgang der Jurte schlich sie. Bar-Chara aber, zornentbrannt, warf sich ihr in den Weg. Er riss ihr die Kleider vom Leib, zog die falsche Haut herunter, da sahen alle das Ungeheuer in seiner wahren Gestalt. Und der Zorn kannte keine Grenzen. Sie banden die Dschelbege an den Schweif eines wilden Pferdes, das galoppierte übers offene Feld, seine Hufe trafen die Teufelstochter, ihr schwarzer Körper zerfiel, es blieben nur Schlangen und Würmer, die sammelte man ein und verbrannte sie. Dann ritt Bar-Chara zu der Jurte bei der silbern bemoosten Zirbelkiefer. Wie freute sich das kleine alte Weiblein, als er vom Pferd sprang. Als wäre ein verlorener Sohn heimgekehrt, als wäre ein Toter aus dem Grabe auferstanden, so freute sie sich! Vom Anbindepfahl bis zur Jurte schüttete sie grünes Gras auf, sie schlachtete die fetteste Mastkuh und das Pferd mit der fleischigsten Brust. So richtete sie den Hochzeitsschmaus. Schachtelhälmchen aber weinte, als sie Bar-Chara sah.Jetzt kommst Du zu mir? Hast Du nicht der Dschelbege erlaubt, mein Blut zu vergießen, meine zarte Haut zu zerreißen, hast du mich nicht den grauen Hunden zum Fraß gelassen .....Und nach allem hoffst du, hier eine Frau für Dich zu finden? Es gibt mehr Mädchen als Barsche in den Flüssen, es gibt mehr Frauen als Plötzen in den Seen, such dir unter ihnen eine Frau! Ich will dich nicht! "Ich habe dich nicht zur Dschelbege geschickt" versetzte Bar-Chara. "Ich habe dich nicht den grauen Hunden zum Fraß gelassen! Ich ritt in den Wald, der Füchsin nach, und wies dir den Weg. Und ich sagte nicht: Reite dorthin, wo der Tod ist!" Das kleine alte Weiblein wischte sich aus jedem Auge eine Träne, setzte sich in die Mitte zwischen die beiden und sagte:"Vom Tode bist du auferstanden, nach langer Trennung habt ihr euch wiedergefunden, ist es denn möglich, dass ihr euch da nicht freut? Habt euch lieb so wie früher! Seid gut miteinander so wie früher! Hört auf mich und tut, was ich euch sage!" Da sagte Schachtelhälmchen leise:"Es ist gut. Ich will es tun und alles vergessen." Wie sprang Bar-Chara da vor Freude in die Höhe, wie tanzte und sprang er umher, wie umarmte er seine Braut und küsste sie. Dann ward das falbe Ross gesattelt mit silbernen Sattel, gezäumt mit silbernen Zaumzeug, bedeckt mit silberner Decke, an seiner Seite eine silberne Gerte hing. Schachtelhälmchen legte von neuem das Brautgewand an, und sie machten sie auf den Weg. Sie ritten lange. Kam der Winter mit Schnee auf den Wegen, kam der Sommer mit warmen Regen, kam der Herbst mit Nebelgrau. So ritten sie. Schließlich kamen sie zu der Jurte von Bar-Charas Vater. Alle Anverwandten warteten schon auf das Brautpaar. Vom Pferdepfahl bis zur Hochzeitsjurte lag ein Streifen von grünen Gras. "Wenn die rechte Braut kommt" dachten die jungen Männer, "werden schwarze Zobel auf den Weg springen bei jedem Schritt den sie tut." Und sie schnitzten Pfeile und schnitzten so emsig, dass ihnen die Haut von den Händen abging." Die Mädchen flöchten Schnüre und zwirnten so eifrig, dass ihre Fingerspitzen bluteten. Während sie auf die Braut warteten, dachten sie:"Wenn sie spricht, werden rote Perlen aus ihrem Mund zur Erde rollen!" Dann brachte Bar-Chara die Braut. Zwei Mädchen banden die Pferde fest. Sie hoben die Braut aus dem Sattel und stellten sie sacht auf den Biden. Da sprach die Braut mit wohlklingender Stimme, und rote Perlen fielen aus ihrem Mund. Die Mädchen lasen sie auf, und reihten sie auf die Schnüre. Die Braut schritt zur Jurte, und wo sie hintrat, da sprangen schwarze Zobel über den Weg. Die Pfeile der Burschen reichten nicht aus, sie zu erlegen. Da riefen alle:"Ah, Bar-Chara, das ist die richtige Braut!" Die Braut ging in die Jurte und zündete mit drei Jungen Lärchenwipfeln das Herdfeuer an. Nun konnte das Hochzeitsfest beginnen. Und es kamen Gäste von überallher, aus allen Dörfern. Und es kamen Sänger, und Tänzer waren dabei, auch Springer, Ringer und Märchenerzähler  .. Eine Woche lang dauerte die Hochzeit, und es gab ein Gastmahl, dass der Rauch bis in den Himmel aufstieg und in den Wolken hängen blieb. Dann ritten die Gäste nach Hause, und für Bar-Chara und seine Frau begann ein Leben in Glück, von dem ihre Kindeskinder noch heute erzählen.

Das Schachtelhälmchen, diverse Varianten, z.B. Die goldene Schale und andere Märchen der Sowjetunion, Moskau. Bearbeitung Sybille Renardy-Platen.


Liebe Märchenfreunde,
das Jahr 2013, das Jahr mit der symbolisch so vielfältigen Endziffer 13, der Zahl von Veränderung, Abschied und Neubeginn hat sich verabschiedet, es ist Vergangenheit. Seien Sie herzlich gegrüßt in 2014. Durch dieses Jahr sollen uns nun nicht mehr märchenhafte Zahlen begleiten, sondern Bäume, ihr Vorkommen, ihre Rolle in verschiedenen Märchen, aber auch die Bedeutung, die sie sonst haben, ökologisch, kulturgeschichtlich, mythologisch. Auch wenn das erste in diesem Jahr vorgestellte Märchen den Namen eines nützlichen Unkrautes, des Ackerschachtelhalmes, trägt, soll der erste Baum, der uns hier begegnet, die Zirbelkiefer sein, als silbern bemoost wird sie in dem Märchen beschrieben. Die sibirische Zirbelkiefer, Pinus sibirica, wird auch als sibirische Zeder bezeichnet. Sie gilt als Energiespeicher, Menschen, die ständig ihrer Wirkung ausgesetzt sind, sollen keine Müdigkeit kennen, weder bei der Arbeit noch in der Liebe. Schon lange werden aus ihrem weichen, aber beständigen, vom Balsamduft ätherischer Öle durchtränkten Holz schöne Möbel hergestellt. Dieses duftet aber nicht nur gut, sondern hat auch antiseptische Wirkung, in Geschirr aus Zirbelkiefernholz sollten sich Lebensmittel und Getränke lange und gut halten, Extrakte aus Kiefernölen heilen verschiedene entzündliche Erkrankungen, Kiefernadeltee enthält mehr Vitamin C als Zitrone, Kiefernharz galt als Elixier gegen das Altern. Die Zirbelkiefer, wie die Kiefer allgemein, ist in der römischen  Mythologie ein Symbol für Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit, so ist der Thyrsosstabes des Dionysos wie ein Kiefernzapfen geformt.  Im Christentum steht die sie für Auferstehung, im Volksglauben für  Ausdauer, Bescheidenheit, Beständigkeit - Zirbelkiefern können bis zu 1000 Jahre alt werden. Im  Fernöstlichen Feng – Shui zählt die Kiefer zu den "Drei Freunden der kalten Jahreszeit". Mit solchen Eigenschaften ausgestattet ist die silbern bemooste Zirbelkiefer ein guter Standort für die Jurte des alten Weibleins im Märchen Schachtelhälmchen. Häufig kommen Kiefern in Märchen aber nicht vor, bekannter ist dort eines ihrer Produkte, das  Pech, aus dem altindischen Begriff pitu-daru, Harzbaum, wurden die Worte Pech und Teer, dies führt uns zur Pechmarie im Grimmschen Märchen Frau Holle oder dem rumänischen Märchen Juliana Kosseschana.

Ricarda Lukas