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Frau Holles Medizinbaum

Es wird erzählt, dass die gute Frau Holle einst, als sie wie üblich über die Erde spazierte und den Stimmen der Menschen, der Tiere und der Pflanzen lauschte, einen einsamen Strauch mitten auf einem verschneiten Feld stöhnen hörte. "Weshalb jammerst Du?" fragte sie. "Ach, Frau Holle", antwortete der Strauch,"ich bin so einsam. Kein Tier, kein Mensch beachtet mich. Noch nicht einmal der Besenbinder, denn er will nur starke und biegsame Ruten wie die der Birke. Kannst du mir nicht auch geeignete Zweige geben, damit der Besenbinder mich zu den Wohnungen der Menschen bringt?" "Deine Gestalt kann ich nicht ändern" antwortete Frau Holle. "Aber dein Wunsch soll dennoch nicht unerfüllt bleiben." Und Frau Holle strich sanft mit ihrer Hand über die Äste des Strauchs. "Ich will dich schmücken mit unzähligen duftenden Blüten, und mit ebenso vielen Früchten. Beide werden den Menschen Heilung und Stärke bringen, und bald wirst du nicht mehr einsam sein." Als der Frühling kam stellten die Menschen fest, dass der einsame Strauch mitten im Feld  über und über mit weißen Blüten von lieblichen Duft bedeckt war. Und zum Sommerende hin pickten die Vögel die dunklen Beeren mit Behagen auf. Die Menschen kosteten auch die Beeren, und fanden sie wohlschmeckend. Bald entdeckten sie, dass die Blüten und Beeren Heilwirkung besaßen und sie holten den Strauch nahe an ihre Häuser. Und sie gaben ihm einen Namen: Holler, oder Frau Holles Baum. Daraus wurde Holunder.

(Deutsche Legende)