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Kein schädlicher Schimmer soll deine reinen Strahlen begleiten; und die Menschen sollen dich segnen ...

Die Akteure dieses indischen und hinduistischen Märchens sind große kosmische Kräfte, Sonne und Mond, Wind, Blitz und Donner. Von ihnen, ihrem Wirken und Zusammenspiel hängt in hohen Maße ab, wie sich das Leben von uns Menschen auf unserer Erde gestaltet. Hinzukommt, als Mutter und Schwester, ein sehr entfernter Stern, der sicher keine direkte Wirkung auf die Erde hat, von dem aber vielleicht Alles ausgegangen ist, was Sonne und Mond, Wind und Blitz und Donner gebildet hat. Zum Jahreswechsel, der in unseren Breiten in die dunkle und unwirtlicher Jahreszeit fällt, erfahren wir auch heute noch das Wirken dieser kosmischen Kräfte unmittelbarer, ahnen vielleicht sogar, was für unsere Vorfahren das Fehlen des Sonnenlichts, das Wüten von Sturm und Wind, der tröstliche Schein des Mondes und der Sterne am Himmel bedeutet haben mag. Und wir verstehen, warum es so viele Geschichten und Märchen gibt, in denen Sonne, Mond und Sterne, die Winde und andere Naturkräfte eine Rolle spielen. Wie viele andere Märchen auch, erzählt das indische Märchen von dem, was wir denken, fühlen, uns vorstellen, wenn wir das strahlende Gold der Sonne, das kühle Silber des Mondes, das Heulen der Winde und die unglaubliche Reinheit und Ferne der Sterne wahrnehmen. Wegweiser und Helfer in der Not wie im Das singende springende Löweneckerchen oder Östlich der Sonne westlich vom Mond sind sie in diesem Märchen nicht. Sie teilen auch nicht ein Stück ihres Glanzes in Form eines Mondkleides, Sonnenkleides oder Sternenkleides mit uns Menschen oder geben guten Rat, Reichtum und Glück wie in dem albanischen Märchen Bei der Sonnenmutter oder dem slowakischen Märchen Die Reise zur Sonne. Mutter Stern und ihre Kinder Sonne, Mond und Wind beschäftigen sich in diesem Märchen ausschließlich mit sich selber und dem, warum sie geworden sind, was sie sind. Im Hinduismus ist die Sonne, wie in zahlreichen Mythologien, männlich und Symbol für Wärme, Licht und große Kraft - aber auch für Hitze und Zerstörung. Selbst die Frau des indischen Sonnengottes bringt sich vor ihm in Sicherheit, da sie die Hitze seiner Strahlen nicht erträgt. „Hinfort sollen deine Strahlen heiß und versengend sein“ sagt die Sternenmutter im Märchen zur Sonne. Ähnlich ergeht es dem Wind: „Alles, was da atmet, soll durch dich welk und trocken werden.“ Vayu, der vedische Windgott, ist reinigend, lebensspendend, zornig und schön. Auf einem leuchtenden Wagen mit hundert roten Pferden stürmt er über den Himmel. Chandra dagegen, als Mondgott oder Mondgöttin, ist „lieblich und ist wandelbar und launisch.“ - und so erleben wir ihn auch heute, viele hunderte Jahre später noch: „kühl, ruhig und glänzend ...“

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Band 12 unserer Märchenschätze ist da!

Vom Vergessen und Erinnern

EMG Märchenschätze

Märchen erzählen von grundlegenden menschlichen Erfahrungen, und da wir täglich mit Vergessen und Erinnern konfrontiert sind, finden sich diese Themen auch in vielen Märchen wieder. Wieso vergessen wir etwas, sogar wenn es wesentlich ist? Was führt dazu, dass wir uns wieder erinnern? Wie gehen wir mit dem Vergessen von Wesentlichem um? Und wie erinnern wir uns an das, was wir nicht vergessen dürfen?

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Vergessen und Erinnern
im und mit Märchen

Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 44

Im Mai 2018 lud die Europäische Märchengesellschaft zu ihrem Kongress nach Bad Kissingen ein. Die Vorträge zum Thema "Vergessen und Erinnern im und mit Märchen", das weitgefächert untersucht wurde, liegen in diesem Band versammelt vor.
Über die griechische Antike und die göttlichen "Schwestern" Lethe und Mnemosyne, Vergessen und Erinnern, lesen wir; auch Homers Odyssee trägt Bedeutungsvolles zum Thema bei. In Märchen und nordischen Sagas geht es um vergessene Versprechen und die Folgen. Was macht Gedächtnisverlust mit Menschen und können Märchen bei demenzieller Erkrankung noch eine Form von Kommunikation ermöglichen? Erinnern ohne Schrift - wie gelingt das bei den indigenen Völkern? Märchen der Sammlungen des 19. Jahrhunderts waren oft genug antisemitisch und bereiteten unter anderem das Terrain für den Holocaust vor. Das vergessen wir nur allzu gerne, sollten es aber erinnern und Märchen dahingehend kritisch hinterfragen. Resilienz, diese Fähigkeit half den Spazzacamini, den "lebenden Kaminbesen" aus den armen Alpenländern, ihre schlimmen Erinnerungen in erzählbare märchenhafte Geschichten umzuwandeln.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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